Sylvia Plath (1932-1963) gehört zu den amerikanischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, die zur feministischen Ikone wurden. Ihre 1962 entstandene Gedichtsammlung Ariel im Stil der „confession poetry“ und ihr 1961 geschriebener Roman Die Glasglocke begründeten diesen Ruf. Dass sie sich am 11. Februar 1963 dreißigjährig das Leben nahm, trug wesentlich zur Mystifizierung von Person und Werk bei: Sie hinterließ die dreijährige Tochter Frieda, den einjährigen Sohn Nicholas und ihren Ehemann, den Dichter Ted Hughes. Ihr literarischer Stern begann gerade aufzugehen.
Ihre Tagebücher, die von Ted Hughes veröffentlicht wurden, sprechen noch frisch und unmittelbar zu heutigen Menschen. Ihre Sprache ist zart und verletzlich, aber auch nüchtern und kühl, humorvoll und bisweilen beißend–sarkastisch.
Sylvia Plath setzte sich in ihren Gedichten und in ihrer Prosa mit den Schatten der Vergangenheit auseinander, dem frühen und traumatischen Verlust des Vaters. Sie kämpfte um die Befreiung aus einer symbiotischen Mutterbeziehung. Sie rang mit dem amerikanischen Frauenbild der 1950er-Jahre um eine eigenständige weibliche Identität und um ihre berufliche Selbstbestimmung als Schriftstellerin.
Schon als kleines Kind auf das trügerische Lernmuster koordiniert: „Leistung gewinnt Anerkennung und Liebe“, wurde sie zerrissen zwischen grandiosen Hochgefühlen und tiefer Depression. Tragischerweise wurde sie nach ihrem ersten Suizidversuch, wie in der amerikanischen Psychiatrie der 1950er-Jahre üblich, mit Elektroschocks behandelt. Dies löste bei ihr später immer wieder traumatische Angstzustände aus.
Fasziniert lässt sich ihr künstlerischer Wahrheitsprozess verfolgen, wie trotz ihrer Depressionen ihre schöpferisch-poetische Kraft immer wieder heilsam hervorbricht. Ihre teils verzweifelte, teils selbstironische Selbstanalyse ist erlebbar, auch ihre psychologische „Feinsicht“ für Menschen und ihr Röntgenblick durch die Konsumoberflächen der amerikanischen Gesellschaft der McCarthy-Ära. Der republikanische Senator Joseph McCarthy verfolgte während des Kalten Krieges eine Linie des Antikommunismus, die auch vermeintliche Sympathisanten der Denunziation und Verhaftung aussetzte.
In der Veranstaltung geht es im ersten Teil um die Biographie von Sylvia Platz, perspektivisch durch den Originalton ihrer Tagebücher vertieft. Im zweiten Teil steht der Roman im Mittelpunkt, nicht als durchgängige Lektüre, sondern in beispielhaften Textauszügen als Zeugnis existenzieller Suche nach dem eigenen weiblichen Selbst. Die Selbstbildung als Frau und als Schriftstellerin bleibt bei Sylvia Plath zugleich konfliktreich und fragil. Aus welchen psychologischen und gesellschaftlichen Gründen? Das gilt es herauszufinden.
Weiterer Termin (Teil 2)
5. März 2026
- Anmeldung:
- Simone Graff, Tel.-Nr.: 0241 453-162
- Kostenfreie Veranstaltung
